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Aus Anlass zum 8. April, seit 1971 ein nationaler, weltweiter Feiertag
der Roma, an dem sich diese diskriminierte Minderheit zu einer Nation
erklärte und aus dem Wunsch heraus, sich selbst etwas bekannt
zu machen, veranstalteten am Samstag den 9. April die Roma-Gemeinden
aus dem Landkreis Freiburg zusammen mit dem Verein „IBis“
(Interkulturelle Bildung und Soziale Arbeit im Stadtteil) und mit
der Unterstützung der Stadt Freiburg in St. Georgen ein „Baro
Roma Bali“, ein „Großes Roma-Fest“.
Ein Fest, zu dem auch alle Nicht-Roma herzlichst eingeladen waren,
ein Fest, das vielleicht ein wenig dazu beigetragen hat, sich etwas
besser kennen zu lernen und gegenseitige Vorurteile abzubauen. Vor
allem der Freiburger Sozialbürgermeister, Ulrich v. Kirchbach,
hat sich für die Verwirklichung dieser Veranstaltung sehr engagiert
eingesetzt und es war auch Herr v. Kirchbach, der bei diesem Fest
die Eröffnungsrede hielt. Danach referierte der Kölner
Journalist Nedio Osman über die aktuelle Situation der Roma
und über die Bedeutung des Feiertags 8. April. Daran anschließend
erfolgte ein umfangreiches kulturelles Programm.
Auf diesem Fest wurde auch kurz das Buchprojekt „Vakeres Romanes?
– Sprichst du Romanes?“ vorgestellt. „Rom“
bedeutet in der Sprache der Roma u.a. „Mensch“, d.h.,
wenn wir von den „Roma“ sprechen, sprechen wir von „Menschen“.
In diesem Buch erzählen u.a. 18 Roma-Jugendliche, die mit
ihren Familien aus dem Kosovo geflüchtet sind, aus ihrem Leben,
wobei nicht der Bürgerkrieg und die Asylsituation im Mittelpunkt
steht, sondern der Alltag der 10- bis18-jährigen Roma. Das
Buch ist in knapp einjähriger Projektarbeit mit der Lehrerin
U. Birgin und der Künstlerin M. Wieczorek von IBis gemeinsam
mit den Roma-Jugendlichen geschrieben und layoutet worden, ist sehr
bunt mit vielen Bildern und nicht textlastig.
Genau dieses Buch war es, dass mich dazu veranlasste, etwas mehr
über diese Menschen erfahren zu wollen.
Die „Zigeuner“ selbst besitzen keinerlei Aufzeichnungen
über ihren Ursprung, ihre Traditionen und ihre Mythen. Bisher
wurde ihre Geschichte eigentlich nur von Außenstehenden geschrieben
und erst seit kurzem setzen sie sich selbst mit der Aufarbeitung
ihrer eigenen Geschichte auseinander. Der Allgemeinbegriff „Zigeuner“
ist an sich irreführend, weil er das Bild vermittelt, dass
alle von uns so genannten Menschen einem einzigen Volksstamm angehören,
obwohl es viele verschiedene Volksgruppen unter ihnen gibt, die
sich selbst als Sinti, Roma, Lowara, Kalderasch, Lalleri, Manusch,
Jenische u.a. bezeichnen. Die beiden größten in Deutschland
lebenden Volksgruppen von ihnen, die Sinti und Roma, lehnen zudem
die Bezeichnung „Zigeuner“ für sich als diskriminierend
ab, vor allem die Sinti, die sich mit dieser Bezeichnung noch immer
an die Leiden des Nationalsozialismus erinnert sehen.
Und der Kölner Journalist Nedio Osman aus dem Volk der Roma
schreibt: „Die Welt hat von Anfang an mit uns über Vorurteile
kommuniziert. Schon dann, wenn sie uns mit dem Namen, der in unserer
Sprache nicht existiert, „Zigeuner“ genannt hat. Dieses
Wort kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet übersetzt „unberührbar“.
Der Name ist Synonym für etwas Negatives, Unreines, Unschönes
geworden, ein Volk wird als eine Nation zweiter Klasse betrachtet“
Andererseits jedoch nennen sich andere „Untergruppen“
selbst Zigeuner, da nur diese Bezeichnung in allen Sprachen die
Gesamtheit aller Stämme bezeichnet, während der aktuelle
„politisch korrekte“ Ersatzbegriff, Sinti und Roma,
gleichzeitig andere Zigeunergruppen diskriminiert
Wie also soll man, politisch korrekt, diese ganzen Volksgruppen
insgesamt benennen?
Nedio Osman sagt weiter: „Was am meisten weh tut, ist, dass
niemand Interesse hat, zu erfahren, wer wir sind und niemand hört
zu. Mit dieser Ignoranz ist die Welt ärmer geworden und der
Fakt, dass wir eines der ältesten Völker dieser Welt sind
und dass auch unsere Sprache eine der ältesten dieser Welt
ist, ist kaum bekannt.“
Okay, gehen wir ein Stückweit zurück...
Indien selbst gilt als Ursprungsland der Sinti und Roma und den
Nachweis des indischen Ursprungs der Zigeuner hat die Sprachwissenschaft
geliefert. Das „Romanes“ ist die Sprache der Roma und
Sinti und hat seinen Kern in einem nordwestlichen Dialekt der altindischen
Volkssprache und nicht wie allgemein angenommen im Sanskrit, das
eine Hochsprache der Brahmanen war - wobei es in Bezug auf Sanskrit
konträre Meinungen gibt. Über die soziale Situation der
Sinti und Roma im Indien der Frühzeit weiß man fast gar
nichts. Man vermutet, dass diese Menschen eher einer niederen Kaste
angehörten, bzw. sogar Kastenlose waren.
Zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert kam es dann in Indien zu mehreren
Auswanderungswellen, ausgelöst durch Not, (Religions-) Kriege
und Vertreibungen, die Menschen, wie die Sinti und Roma und andere
Volksgruppen dazu zwangen, ihr Heimatland zu verlassen und ein Leben
in Wanderschaft aufzunehmen.
In größeren oder kleineren Gruppen wanderten sie zunächst
in die an Indien angrenzenden Regionen, wie z. B. Persien, Armenien
und später auch in das griechisch besiedelte Kleinasien, andere
von ihnen gingen nach Ägypten, bis sie dann im 14./15.Jahrhundert
über Nordafrika und den Balkan, das erste Mal nach Europa kamen.
In Griechenland gab man den Roma dann, laut Nedio Osman, das erste
Mal den Namen „Athingana“, unberührbar. Dieser
Name hat sich verbreitet und mit der Zeit unterschiedliche Formen
angenommen: Gipsy, Hitanos, Cingene, Mandjup, Zigeuner.
Zunächst wurden diese Fremden in Europa meist freundlich empfangen
oder zumindest akzeptiert und in Deutschland garantierte sogar ein
Schutzbrief des Kaisers Sigismund 1423 den „Zigeunern“
Schutz und Sicherheit im Habsburgerreich Allerdings überließ
man diesen Fremden in der fest gefügten feudalen Gesellschaft
nur wenige Beschäftigungen im Bereich des Kleinhandels, des
Wandergewerbes und der Schaustellerei. Bereiche also, die für
diese Wandervölker überlebenswichtig waren. Die Fremden
blieben Außenseiter, die man neugierig betrachtete.
In den darauf folgenden Jahren schwenkte die zuerst freundliche
Stimmung um: Der kaiserliche Geleitbrief wurde von den Reichstagen
von Lindau (1496) und Freiburg (1498) für ungültig erklärt
und der Reichstag von Augsburg verordnete, dass alle Zigeuner innerhalb
von drei Monaten das Land zu verlassen hätten. Zudem wurde
es der Bevölkerung erlaubt, einen Zigeuner zu töten, der
sich auf ihrem Besitz aufhielt. „Wer Zigeuner schädigt,
frevelt nicht“, lautete einer der Verordnungen.
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